Revolution auf dem Strommarkt

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Das deutsche Energieversorgungsunternehmen enyway stellt den weltweit ersten kommerziellen Marktplatz für selbstproduzierten Strom zur Verfügung und vermietet Solarpanels.

Kohleausstieg, ja oder nein? Lohnt es sich, erneuerbare Energien zu fördern? Dank eines Start-ups müssen die Bewohnerinnen und Bewohner unseres nördlichen Nachbarlandes nicht mehr auf Entscheide der Regierung warten. Sie können sich unabhängig von grossen Energieversorgungsunternehmen direkt mit erneuerbarer Energie versorgen und in den Bau von Photovoltaikanlagen investieren.

Hinter dieser Idee steckt enyway, ein Hamburger Start-up, das aus dem landesweit grössten Anbieter von Ökostrom «Lichtblick» hervor gegangen ist. Der Gründer, Heiko von Tschischwitz, der schon mit «Lichtblick» die Energiebranche aufgewirbelt hat, hat sich kein geringeres Ziel gesetzt, als die traditionellen Energieversorger überflüssig zu machen. Sein Geschäftsmodell beruht auf zwei Dienstleistungen: Auf der Plattform «Power» bieten private Stromproduzenten ihren überschüssigen Strom zum Verkauf an. Die Kunden können sich dort ihren Anbieter selbst aussuchen. Dabei spielt neben dem Preis oftmals auch die Sympathie zum Anbieter eine Rolle. Von der Kita, die eine Solaranlage auf dem Dach betreibt, über die alte Mühle, die mit Wasserkraft Strom produziert bis zum Windrad auf dem Bauernhof, steckt hinter jedem Projekt eine Geschichte.

Neben der Plattform betreibt das Unternehmen mit «Change» einen Vermietungsservice von Solarpanels. Damit können auch Menschen, die kein Eigenheim besitzen, in Photovoltaik investieren. Ziel ist, den Bau von Solaranlagen unabhängig von Fördergeldern voranzutreiben. Per Mausklick können sich die Kunden den Strom eines Panels sichern. Die Panels sind in zwei Grössen verfügbar: Format «Pizzakarton» (30 x 30 cm) und «Tischtennisplatte» (152,5 x 274 cm). Sobald genügend Felder verkauft sind, kümmert sich das Unternehmen um den Bau einer Anlage.

Ökostrom zum Einkaufspreis

Die Stromproduktion der Panels reicht zwar nur in den wenigsten Fällen aus, um den Energiebedarf der Kunden zu decken. Mit der Miete eines Panels sichern sich die Kunden jedoch auch das Recht, von enyway günstigen Ökostrom zu beziehen, um den Bedarf zu decken – in der Regel aus dem Kreis der privaten Anbieter auf «Power». Gewinn macht das Unternehmen daran kaum. Aus der Überzeugung heraus, dass die Energiewende nicht auf Kosten hoher Profite der Versorger hinausgeschoben werden darf, verkauft es seinen Kunden den Strom zum Einkaufspreis. Einzig ein Beitrag von 3 Euro monatlich soll sicherstellen, dass die Plattform unabhängig betrieben werden kann.

Enyway sieht die Zukunft der Energieversorgung in einer dezentralen Produktion und die Rolle der Energieversorger darin, innovative Dienstleistungen anzubieten: Das Unternehmen stellt den Kontakt zwischen Käufer und Verkäufer her und schafft es, damit eine gewisse persönliche Note in den Stromkauf zu bringen. Zudem übernimmt enyway sämtliche Formalitäten für beide Parteien, inklusive Rechnungsstellung. Das Geschäftsmodell sorgt für reges Interesse. Noch herrsche zwar ein Angebotsüberschuss, die Mitgründerin Verena Junge ist jedoch zuversichtlich, dass die Nachfrage zunehmen wird, sobald das Konzept an Bekanntheit gewinnt.

Weitere Informationen: www.enyway.com

Auch in der Schweiz tut sich einiges im Bereich selbstproduzierter Strom. Ein vielversprechendes Projekt: www.quartier-strom.ch 

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