Mit Substantivierungen knausern

In Fachtexten gibt es häufig unzählige Substantive – wissenschaftlicher Stil, der Eindruck machen soll. Nur: Zum Lesen animiert dieser Stil nicht. Die Sätze werden lang und schwerfällig. Verben hingegen machen Texte leicht und flüssig. In gewissen Fällen haben Substantivierungen aber durchaus ihren Platz.

«Temperaturmessungen durchführen» oder «die Temperatur messen» – was ist der Unterschied? Hat ein Kind Fieber, würde wohl niemand eine Temperaturmessung durchführen, sondern einfach das Fieber messen. Geht es aber beispielsweise um die Temperaturentwicklung in Gewässern, ist in Berichten meist zu lesen: «Die Forschenden haben Temperaturmessungen durchgeführt». Das mag zwar wissenschaftlicher klingen als «Die Forschenden haben die Temperaturen gemessen». Die zweite Variante ist aber flüssiger zu lesen.

Suchen Sie in Ihren Texten nach Substantivierungen und prüfen Sie, ob sie sich durch Verben ersetzen lassen – es lohnt sich.

 

Was liest sich besser?

Wer einen technisch-wissenschaftlichen Schreibstil gewohnt ist, sieht Substantivierungen nicht auf Anhieb. Schärfen Sie Ihren Blick mit den folgenden Beispielen. Welche Variante lesen Sie lieber?

Aufgrund der stetigen Zunahme der Umgebungstemperatur wurde eine Bevorzugung von Fassadenbegrünungen deutlich.

Oder: Weil die Umgebungstemperaturen stetig gestiegen sind, wurden mehr Fassaden begrünt.

 

Die Entwicklung bezüglich Marktfähigkeit des Handelsprinzips scheint erfreulich zu sein.

Oder: Die Marktfähigkeit des Handelsprinzips scheint sich erfreulich zu entwickeln.

 

Die Planung und Realisation einer komplexen Anlage mit ihren individuellen Anforderungen verlangt eine intensive Kooperation von Unternehmer, Planer und Bauherrschaft.

Oder: Eine komplexe Anlage mit individuellen Anforderungen zu planen und zu realisieren, fordert alle Beteiligten. Unternehmen, Planer und Bauherrschaft müssen intensiv zusammenarbeiten.

 

Die Förderung der Nachhaltigkeit von Investitionsprojekten und des Wissenstransfers bleiben ein Kernanliegen.

Oder: Kernanliegen bleibt, die Nachhaltigkeit von Investitionsprojekten und des Wissenstransfers zu fördern.

 

Die Entscheidung war massgeblich beeinflusst durch die Erhöhung der Leistungsfähigkeit und die Verbesserung der Unterhaltungsmöglichkeit bei dieser Variante.

Oder: Die gewählte Variante erhöht die Leistungsfähigkeit und verbessert den Unterhalt. Dies hat die Entscheidung massgeblich beeinflusst.

 

Nicht immer des Teufels

In gewissen Fällen sind Substantivierungen auch sinnvoll, weil sie einen Nebensatz ersetzen oder Abwechslung zu Passivformulierungen schaffen. Zum Beispiel:

Anschliessend wird die Anlage elektromechanisch ausgerüstet. / Anschliessend erfolgt die elektromechanische Ausrüstung.

Am besten bewertet wurde die zweite Variante. / Die beste Bewertung erhielt die zweite Variante.

…wird weniger Kohlenstoff eingetragen. / … sinkt der Kohlenstoffeintrag.

 

Setzen Sie Substantivierungen gezielt und nur sparsam ein. Zu viele davon, machen einen Text schwerfällig. Zeigen Sie Mut zur Einfachheit und verzichten Sie auf allzu wissenschaftlichen Stil. Die grösste Aufmerksamkeit für Ihre Arbeit erhalten Sie, wenn Ihre Texte zu Ende gelesen werden.

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